Glaubensfrage? LaTex vs. Word

Ich bin in vielerlei Hinsicht wohl ne typische Frau. Ich mag’s hübsch dekoriert, Blumen, Farben, organische, runde, schnörkelige Dinge, manchmal aber auch ganz klassische Linien, Holz, Pflanzen, Rüschen, Glas. Was für’s Auge eben. So ist das auch bei meinen wissenschaftlichen Arbeiten: durchgestylt, hübsch, schöne Schriftart, Sonderzeichen und so. Wäre es möglich, so hätte mein Forschungsdesign Blümchen.

Wenn ich mich an’s Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit mach, möchte ich immer gleich das sehen, was ich produziere. Mit dicken und weniger dicken Überschriften, unterschiedlichen Schriftarten bei Zitaten, kursiv, unterstrichen, kleine Fußnoten, farbig oder anderweitig hervorgehobene Textteilen. Das hilft mir, strukturiert weiterzudenken.

Im dissertativen Umfeld kommt man mit diesen Animositäten allerdings nicht weit.  Kaum lässt man vor anderen Schreiberlingen die Worte “Doktorarbeit” und “MS Word” in einem Satz fallen, wird der Sauerstoff um einen dünn vor lauter hektisch und zischend eingesaugter luft: “ffffffüüüüüüüüüüüüüüh, willste WIRKLICH ne SO LANGE ARBEIT mit WORD schreiben? Nimm doch LaTex!”

Inzwischen denk ich zum Glück bei der Erwähnung dieses …. Programms (?) nicht mehr gleich an glitschige Laken und RTL II Spätprogramm, aber eine wirkliche Vorstellung hab ich davon immer noch nicht. Nur soviel scheint mir klar: Es wäre dann nix mehr WYSIWYG und genau hierin liegt meine momentane Ablehnung. Ich hatte bislang nie ernsthaft mit HTML zu tun, die einzigen Befehle kamen mir bei SPSS unter. Auch die Tatsache, dass ich mich grad erst in citavi einarbeite und dann noch ein zweites, völlig fremdes Programm verstehen müsste, zusätzlich zum “normalen” Diss- (und Arbeits-)Betrieb, schreckt mich etwas ab.

Für LaTex spräche wohl, was gegen Word spräche, nämlich längere Texte einfacher (sicherer) verwalten zu können. Allerdings hatte ich auch bei meiner Magisterarbeit, die ja über 100 Seiten lang war, keinerlei Probleme mit Word. Wenn das Kind allerdings erst mal in den Brunnen gefallen ist, möcht ich auch nicht noch wechseln müssen. (Noch schreib ich nicht, sondern pack meine Literaturauswertung in citavi. Die Einbindung von citavi in LaTex sollte genauso funktionieren.) Also hätte ich einige Fragen an Euch (vor allem die mir bekannten LaTex-User ;) ):

  1. Word oder LaTex bei einer Arbeit, die die 200 Seiten vermutlich locker übertreffen wird?
  2. Wie schnell könnte ich LaTex lernen? Bzw. wie einfach?
  3. Learning by doing oder Kurs?
  4. Gibt es Kurse an der Uni Bamberg (hab außer LVs der Informatiker nix gefunden)
  5. Welche Einführungs- bzw. Benutzerhandbücher sind zu empfehlen?
  6. Wer hilft mir, wenn ich nicht weiter weiß?
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8 Responses to Glaubensfrage? LaTex vs. Word

  1. tom sagt:

    Du kannst ja auch mal mit Lyx anfangen, das ist eine WYSIWYG-Oberfläche wie Word, baut unten drunter aber auf LaTeX auf. Mein alter Mitbewohner hat damit seine DA geschrieben und ganz anschauliche Ergebnisse produziert

  2. coyote sagt:

    LaTeX mag zwar nicht WYSIWYG sein, aber man kann sich auch die Anzeige generieren lassen. Bei Arbeiten über 40 Seiten würde ich auf jeden Fall LaTeX empfehlen.

    Eine Einarbeitung lohnt sich auf jeden Fall und spart massig Zeit. Bei einer Doktorarbeit von 2-3 Jahren kann das wirklich enorm viel ausmachen.

  3. Jürgen sagt:

    Ich hätte jetzt auch keine Bedenken für eine Arbeit von mehr als 200 Seiten Word zu benutzen. Ich hab in Word zwei Diplomarbeiten geschrieben, und hatte damit keine entscheidenden Probleme. Ich glaube mich zu erinnern, dass es bei Word XP noch anderthalb Probleme mit Fußnoten gab, für die ich nen Workaround brauchte, aber mit Word 2007 bei der zweiten Arbeit (immerhin auch schon 140 Seiten) gabs dann kaum mehr Probleme.

    Man muss sich in Word halt auch ein wenig auskennen, schauen, dass Überschriften gleich die korrekte Gliederungsebene haben etc. Aber mit deinem Vorwissen, sollte das ja kein Problem sein.

  4. nina sagt:

    ich war in word ehrlich gesagt schon mal besser. grad bei word 2007 muss ich immer suchen, wo das ist, was ich brauch. klar kenn ich mich mit den basics aus und weiß, dass man am besten von vornherein alle textteile richtig formatiert um am ende ein passendes inhaltsverzeichnis zu bekommen. aber wenn’s z.b. an verweise geht, automatische korrektur von bezügen auf andere fußnoten, dann bin ich recht hilflos und müsste auch erst suchen. genervt haben auch tabellen in word, die das layout zerschießen weil man nicht auf den richtigen textfluss geachtet hat. oder mal ne eingefügte querseite… vielleicht ist das mit latex ja besser?

    zugute kommt mir bei dieser frage wohl meine leidenschaft, neue programme auszuprobieren, auch wenn das alte noch taugen tät ;) ich hab mir also miktex und nen editor jetzt mal runtergeladen und versuch mein glück. vor allem beruhigt mich, dass ich mir mittendrin auch schon anschauen kann, was rauskommen würde. kann mir zwar grad noch nicht vorstellen, wo das programm z.b. schriftarten hernimmt, aber dahinter komm ich schon noch :) danke für die hinweise und literatur!!

  5. Texfan sagt:

    Nutze auf jeden Fall Tex/Latex.
    Es hat wesentlich mehr Möglichkeiten als Word und man ist nach den einarbeiten immer schneller.
    Außderdem ist der Satz wesentlich schöner. Kompatibilitätsprobleme gehören der Vergangenheit an.

    Versuche jetzt mal ein Wordfile aus 1995 zu öffnen. Ich bin mir sicher, dass die Formatierung nicht wie gewünscht ist.
    Ein TEX-File aus den 80er Jahren (ja,so alte Files gibt es) sieht noch genauso aus.
    Allein dieser Punkt spricht schon für TEX!

    Tex hat des Weitern wesentlich mehr Möglichlkeiten als Word und unterstüzt auch if/else und diverse Schleifen…
    So kann man sich alles passend zusammensetzen.

    Natürlich reicht es auch die schon vorhandenen Packete zu nutzen.

    Arbeiten in Tex sehen außerdem (immer) eleganter aus!

    Als Editor empfehle ich LED oder TexnicCenter.

  6. nina sagt:

    Hallo Texfan,

    ich bin schon ziemlich überzeugt :) und auch motiviert, das zu lernen. Wo bekomm ich aber z.B. fertige Pakete her? Ich hab mir etz mal einiges an Literatur gesucht und werd mich in der nächsten Zeit mal einarbeiten. Hoffentlich ist es auch weiterhin so logisch, wie es grad auf mich wirkt :)
    Ich hab auch TexnicCenter runtergeladen und meine ersten Gehversuche unternommen…. joah, optimierungsfähig aber passt!

    Grüße, nina

  7. cricri sagt:

    Also ich habe meine geisteswissenschaftliche Dissertation mit deutlich über 200 Seiten Anfang des Jahrtausends problemlos mit Word geschrieben – keine Ahnung, was daran schlecht sein könnte. Die älteren Word-Versionen (ich rede da von den 1990er Jahren …) hatten wohl Probleme mit längeren Texten, aber inzwischen ist das kein Problem mehr. Auch im promovierten Freundeskreis sind alle klaglos mit Word zurecht gekommen – allerdings hat auch niemand mit Formeln, Noten etc. gearbeitete, immer nur Text & Fußnoten.

    Wenn es mir wichtig wäre, das Layout zu erhalten, würde ich ein PDF/A draus machen. An sich ist das Werk aber noch analog erschienen ;)

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